Antizipierende Fehlererkennung

Hinter der Bezeichnung „Antizipierende Fehlererkennung“ (AFE) (engl. „Anticipatory Failure Determination“ (AFD)), verbirgt sich eine Risikomanagement-Methode, die ursprünglich im Rahmen der Theorie des erfinderischen Problemlösens TRIZ entwickelt wurde.

Dort wird die Methode eingesetzt, um Ursachen für ein existierendes Problem zu ermitteln. Statt wie gewohnt nach möglichen Ursachen zu suchen, versucht man im Rahmen der Antizipierenden Fehlererkennung das Problem aktiv herbeizuführen. Man stellt sich also nicht der Frage: „Woran kann es liegen, dass hin und wieder Bauteil XY versagt?“, sondern man versucht, Fragen wie „Wie müsste man die Konstruktion verändern, dass Bauteil XY zuverlässig jedes Mal versagt?“ zu beantworten. Dieser inverse Grundansatz gibt einen völlig neuen Blickwinkel auf das Problem, und fordert zusätzlich eine spielerische und subversive Herangehensweise, die häufig starke Motivation mit sich bringt. Bis zur Lösung eines existierenden Problems ist also im Rahmen der TRIZ das Durchlaufen von fünf Phasen notwendig:

  1. Beschreibung des Problems
  2. Invertierung des Problems zur Aufgabenstellung
  3. Lösung der Aufgabe
  4. Re-Invertierung der Lösung
  5. Entwicklung von Gegenmaßnahmen

Auch im Rahmen des Risikomanagements kann dieser Ansatz hervorragend eingesetzt werden, um die Risikoidentifikation zu unterstützen. Hier wird man sich also nicht mit der Frage „Welche Risiken könnten auftreten?“ auseinandersetzen, sondern versuchen das Produkt oder den Prozess gezielt zum Versagen zu bringen. Fragen mit denen man sich demnach im Rahmen der AFE auseinandersetzt, sind z.B. „Wie kann man sicherstellen, dass keines der produzierten Bauteile eine sauber ausgeprägte Kante hat?“, „Wie kann dafür Sorge getragen werden, dass der Prozess zuverlässig alle 5 Minuten angehalten werden muss.“, …

Analog zum oben vorgestellten Ablauf wird die AFE im Rahmen des Risikomanagements wie folgt durchgeführt:

  1. Beschreibung des Produkts/Prozesses
  2. Aufgabenstellung: Gedankliche „Sabotage“ des Produkts/Prozesses
  3. Lösung der Aufgabe: Identifizierte Möglichkeiten zur „Sabotage“
  4. Überprüfung der Praxisrelevanz: Welche der entwickelten Ansätze können in der Realität unter ungünstigen Umständen auftreten?
  5. Entwicklung von Gegenmaßnahmen

Da es sich bei der AFE um eine Methode zur vorausschauenden Fehlererkennung handelt, eignet sie sich besonders gut für den Einsatz zur Risikoidentifizierung für neu entwickelte Produkte und Prozesse, bei denen vor ihrer Umsetzung in die Praxis abgeschätzt werden soll, welche Risiken vorliegen, um gegebenenfalls noch notwendige Abstellmaßnahmen ergreifen zu können. Aber auch eine Anwendung auf bereits existierende Produkte und Prozesse ist gut möglich.

Quellen:

  • Terninko, J., Zusman, A., Zlotin, B., Herb, R. (Hrsg.): TRIZ. Der Weg zum konkurrenzlosen Erfolgsprodukt. Ideen produzieren. Nischen besetzen. Märkte gewinnen. Verlag Moderne Industrie. Landsberg, 1988
  • http://www.ideationtriz.com/AFD.asp
  • http://www.triz-online.de/index.php?id=5562
  • Herb, R.: TRIZ und FUN: Antizipierende Fehlererkennung im Zusammenspiel mit TRIZ und FMEA. TRIZ-online-Magazin, Jul. 2005, Artikel 3.

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