Nanofunktionalisierte Textilien: Chance oder Risiko?

Denkendorfer Nano-ForumDas DITF-Denkendorf  war am 10.12.2009 Gastgeber und Veranstalter des Denkendorfer Nano-Forums „Nanofunktionalisierte Textilien – Chance oder Risiko?“ mit mehr als 100 Teilnehmern aus Industrie, Forschung und Politik.

Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden einige wichtige Ergebnisse vorgestellt, die die Risiken aus dem Bereich Nanotechnologie deutlich greifbarer machen. Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen, dass die Risiken mittlerweile in einigen Bereichen so gut untersucht sind, dass man bald nicht mehr von  „Emerging Risks“ sprechen kann. Aber das ist Definitionssache. Im Folgenden möchte ich aus Sicht des Risikomanagements die wichtigsten Ergebnisse zusammen fassen:

Einschätzung des Gesundheitsgefährungspotentials

Das Gesundheitsgefährdungspotential ergibt sich aus der Kombination von Exposition und Toxizität. Im Bereich der Textilien wird der Inhalation als Inkorporationsweg für Nano-Partikel die größte Bedeutung beigemessen. In der Lunge ist über die Alveolen die Aufnahme von Partikeln in einem bestimmten Größenbereich leicht möglich. Auf diesen Inkorporationsweg konzentriert sich daher auch die Forschung und beschäftigt sich folglich mit der Ablösung von Nanostrukturen (Nanofasern, Nanopartikeln aus der Matrix, Nano-Beschichtung) vom Textil. Entscheidenden Einfluss auf die Menge abgelöster Partikel haben die eingesetzten Binder, aber auch andere Faktoren wie die Faserart und beispielsweise Waschzyklen. Auch das ITV Denkendorf hat im Rahmen des Projekts SiNaTex einen wichtigen Beitrag zur Forschung leisten können. Ergebnisse wurden u.a. auf Seite 8 des Denkendorfer Newsletters 08/08 veröffentlicht.

Entwicklung neuer Messverfahren

Es gibt neue Messverfahren um abgelöste Partikel quantitativ nachzuweisen (Neuentwicklung der CHT R. Beitlich GmbH). Rückschlüsse von den Messwerten auf das Gefährdungspotential sind allerdings relativ schwierig. Vergleiche mit den Ablöseraten von unbehandelten Textilien (z. B. Baumwolle setzt sehr viele Partikel frei) können hier als Vergleichsmaßstab hinzugezogen werden.
Für die Messung gibt es keinerlei Standard was die Art der mechanischen Belastung angeht. Oft werden Scheuerbelastungen eingesetzt, was im Hinblick auf die Ablösung von Partikeln eine Art Worst-Case-Szenario darstellt.

Regulierung

Auch das Bundesumweltamt (UBA) arbeitet intensiv an der Regulierung von Nanomaterialien. Zurzeit wird eine Machbarkeitsstudie für ein Melderegister für Nanomaterialien durchgeführt. Eine geeignete Definition von Nanomaterialien steht aber noch aus und ist auch kurzfristig nicht zu erwarten. Die existierende Definition nach ISO scheint für regulative Zwecke ungeeignet zu sein. Desweiteren wird an einem Prüfraster gearbeitet, mit deren Hilfe eine relativ einfache Bewertung der Chancen und Risiken von Nanomaterialien möglich sein soll.  Dies wird auch zentraler Inhalt des Nano-Dialoges 2009 des UBA  sein. Die Schweiz hat bereits ein ähnliches Vorgehen entwickelt.

Produkthaftung und Rückruf, Versicherer als kompetente Ansprechpartner für kmU

creative commons copyright siehe http://www.flickr.com/photos/hinnerk/

copyright by Hinnerk, creative commons, copyright siehe http://www.flickr.com/photos/hinnerk/169891/

Natürlich können Versicherer nicht ausnahmslos neutral beraten, sie haben immer Interesse daran, ihre Produkte zu verkaufen und streben im Schadensfall an, nicht zahlungspflichtig zu sein. Jedoch herrscht im wichtigsten Punkt Konsens zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer: Es sollte möglichst zu keinem Schadensfall kommen und wenn, dann sollte der Schaden bestmöglich begrenzt werden. Versicherungen bieten Unternehmen dazu einige Hilfestellungen an, die neben der Beratung auch eigene Publikationen umfassen. An dieser Stelle möchte ich zwei Publikationen der Münchener Rück empfehlen:

Präsentation zum Thema Rückrufrisiko (Stand 2007)

Broschüre zum Thema Rückrufrisiko (Stand 2005)

Beide wenden sich speziell an die Automobilindustrie. Die vorgestellten Verfahren können aber in weiten Teilen auch auf andere Branchen angewendet werden. Gerade im Bereich der Rückrufrisiken wird den Unternehmen empfohlen, geplante Vereinbarungen (zum Beispiel Qualitätssicherungsvereinbarungen mit Kunden) zu besprechen. Für Regelungen, die über das HGB hinaus gehen, besteht sonst in der Regel kein Versicherungsschutz. Natürlich entsteht so die Gefahr, dass man als Verantwortlicher dennoch entsprechende Vereinbarungen abschließen muss, obwohl kein Versicherungsschutz möglich ist oder dieser nicht finanzierbar ist. Dies betrifft besonders kleine und mittlere Unternehmen am Ende Wertschöpfungskette. Diese liefern oftmals nur Bauteile im Centbereich zu, können jedoch für die gesamten Rückrufe haftbar gemacht werden. Hier steht der Aufwand zur individuellen Prüfung von Vertrags- und Versicherungsbedingungen leider oft in keinerlei Verhältnis zum Auftragsvolumen.