FMEA – meistens nur ein veraltetes Stück Papier?

Der FMEA, als die bekannteste und am meisten eingesetzte Qualitätsmanagementmethode, möchte ich auch in diesem Artikel besondere Aufmerksamkeit widmen.

Ich habe insgesamt sehr gute Erfahrungen mit der FMEA gemacht, vorausgesetzt man setzt sie nicht nur dazu ein, bürokratische Anforderungen zu erfüllen und dies nachher mit Hilfe der Tabelle vorzeigen zu können. Die Werkzeuge, die zur Zeit zur Unterstützung der FMEA verwendet werden erschweren leider oft ein gelebtes Risikomanagement. Damit meine ich besonders die oft genutzen FMEA-Vorlagen in Form einer Tabelle (z. B. mit MS-Excel), ergänzt um grafische Auswertungen der Risikobewertungen. KmU nutzen typischerweise  keine integrierte Produktentwicklungs- und Qualitätsmanagement-Suite, die schon über ein FMEA-Modul verfügt.

An sich eignen sich diese FMEA-Vorlagen sehr gut zur Erstellung der ersten FMEA für ein Produkte, eine Komponente oder einen Produktionsprozess. Auch die Weiterverfolgung der Maßnahmen funktioniert über die entsprechenden Spalten ganz passabel, solange es nicht zu weiteren Iterationen kommt. Und damit bin ich schon bei dem Hauptkritikpunkt: Die typsichen FMEA-Formulare können mit Änderungen nicht umgehen. Bei einer Änderung muss in der Regel eine neue Version der FMEA erstellt werden, die zeitliche Unterscheidung kann vom Prinzip her nie über eine „Bewertung“ und eine anschließende „Neubewertung“ hinaus gehen. Änderungen sind nicht vorgesehen.

Änderungen werden aus ganz unterschiedlichen Gründen notwendig: Eine Änderungsentwicklung, eine Veränderung der Prozesse, ein neu identifiziertes Risiko oder eine notwendige Neubewertung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Fehlers können solche Gründe sein.

Zur weiteren Irritationen bei Änderungen führt oft die Spalte „bestehende Maßnahmen“. Werden bei einer Änderung die neuen Maßnahmen nun auch zu bestehenden Maßnahmen? Es wird ja auf jeden Fall notwendig die „ganz neuen“ Maßnahmen von den „früher mal neuen Maßnahmen“ zu unterscheiden.

Im Sinne einer einfach handhabbaren und leicht verständlichen Arbeitsgrundlage sollte es nicht notwendig sein, verschiedene Versionen der FMEA zu öffnen und zu vergleichen, um den Änderungsverlauf nachvollziehen zu können. Die Gründe für die Änderung sollten auch nicht an einem Tabellenblatt festgmacht werden, sondern an der entsprechenden Änderung, also an einer oder mehreren Zeilen. Sonst ist es nachher nur mit sehr viel Aufwand möglich die FMEA zu verstehen. Und ein Werkzeug wie das FMEA-Formblatt hat die Hauptaufgabe die Diskussion leicht nachvollziehbar zu machen, wenn sie nicht ausschließlich dazu dienen soll die Dokumentationspflicht zu erfüllen und den externen Auditor zufrieden zu stellen.

Noch wichtiger werden die oben genannten Punkte, wenn die FMEA auch  in der Wertschöpfungskette, also mit Kunden und Lieferanten abgestimmt werden soll. Und dies wird in den komplexen, oft branchenübergreifenden Wertschöpfungsnetzwerken immer wichtiger. Gerade das Änderungsmanagement in der Zulieferkette, besonders hinsichtlich der Risiken ist in Branchen wie der Automobilindustrie, im Live-Science-Bereich, in der Filtertechnik etc. sehr wichtig geworden.

Die Artikel hier werden Wege aufzeigen, wie man mit geeigneten Methoden und Werkzeuge den oben aufgezeigten Problemen begegnen kann.

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